Pilzberatungen & Pilzwanderungen 2017-2020

Flockenstieliger Hexenröhrling bei einer Pilzwanderung

Alle Pilzsachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie sind verpflichtet am Anfang eines Jahres eine Meldung über ihre Tätigkeit im Vorjahr einzureichen. Die Gelegenheit habe ich nun genutzt um auch eine öffentliche Übersicht über meine Tätigkeit der letzten Jahre zu erstellen.

Pilzberatungen

Anzahl der Pilzberatungen von 2017 bis 2020
Anzahl der Pilzberatungen von 2017 bis 2020

Seit 2017 nimmt die Anzahl an Pilzberatungen stetig zu. Auch die Covid-Pandemie und mein Entschluss, die Pilzberatung aufgrund der pandemischen Lage schon im Oktober zu pausieren, hat dem Trend kein Ende gesetzt. Offensichtlich haben viele Leute ihre freie Zeit genutzt, um in die Natur zu gehen und Pilze zu sammeln.

Anzahl der Pilzkörbe mit tödlich giftigen Pilzen von 2017 bis 2020

Nicht nur die Anzahl an Pilzberatungen hat stetig zugenommen, sondern auch die Anzahl an Fällen, bei denen tödlich giftige Pilz im Pilzkorb zu finden waren. Glücklicherweise konnte in diesen Fällen eine Vergiftung verhindert werden.

Folgende Pilze wurden 2020 im Rahmen der Pilzberatung aussortiert:

  • >100 zu alte oder gammelige Speisepilze
  • >100 Karbol-Champignons (Agaricus xanthodermus)
  • >100 Falsche Pfifferlinge (Hygrophoropsis aurantiaca)
  • >50 Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare)
  • >50 Risspilze (Inocybe sp.)
  • >50 Gerandetknollige Garten-Safranschirmlinge (Chlorophyllum brunneum)
  • 45 Nebelgraue Trichterlinge (Clitocybe nebularis)
  • 20 Kahle Kremplinge (Paxillus involutus s.l.)
  • 5 Ritterlinge (Tricholoma sp.)
  • 3 Hautköpfe (Cortinarius subg. Dermocybe sp.)
  • 1 Schirmling (Lepiota sp.)
  • 1 Fälbling (Hebeloma sp.)

Außerdem wurden über 100 weitere unverträgliche oder giftige Pilze aussortiert.

Normalerweise werden die Pilze bei der Pilzberatung genau gezählt. In diesem Jahr kamen allerdings viele Pilzsammler/-innen auf die Idee körbeweise unbekannten Pilze in die Pilzberatung zu bringen. Leider waren es oft giftige Pilze wie beispielsweise der Karbol-Champignon. In solchen Fällen wurden die Pilze nicht gezählt, sondern nur grob dokumentiert (bsp. „1 Korb voll“).

Verrantwortungsbewusste Pilzsammler/-innen sollten unbekannte Pilze nicht in so großen Mengen sammeln. Daher an dieser Stelle eine Bitte: Nehmen Sie unbekannte Pilze nur in Mengen mit, die Sie für die Bestimmung benötigen! Häufig sind 2 oder 3 Fruchtkörper in unterschiedlichen Altersstufen vollkommen ausreichend.

Pilzwanderungen

Anzahl der stattgefundenen Pilzwanderungen von 2017 bis 2020
Anzahl der Pilzwanderungen von 2017 bis 2020

Die Anzahl der Pilzwanderungen nahm von 2017 bis 2019 ebenfalls stetig zu. Allerdings kam es 2020 zu einem deutlichen Einbruch der durchgeführten Pilzwanderungen, da aufgrund der Covid-Pandemie die Frühjahrs-Wanderung, die Frühsommer-Wanderung sowie 3 Herbstwanderungen ausfallen mussten.

Es war schade, dass die Wanderungen ausgefallen sind. Aber aufgrund der Pandemie war es richtig und sinnvoll, selbst wenn es kein Verbot gab. Es wäre kaum mit meinem Selbstbild als Arzt zu vereinen gewesen, wenn eine Pilzwanderung zu einem kleinen Ausbruch geführt hätte.

Gesamtanzahl der Teilnehmer pro Jahr von 2017 bis 2020
Gesamtanzahl der Teilnehmer von 2017 bis 2020

Ein noch deutlicherer Einbruch war 2020 bei den Teilnehmerzahlen sichtbar, nachdem diese in den Vorjahren stetig zugenommen hatten. Das ist damit zu begründen, dass 2020 nicht nur weniger Pilzwanderungen stattgefunden haben, sondern auch weniger Personen an einer Pilzwanderung teilnehmen konnten.

Konsultationen bei Pilzvergiftungen

Anzahl der Konsultationen aufgrund von Pilzvergiftungen von 2017-2020
Anzahl der Konsultationen aufgrund von Pilzvergiftungen von 2017 bis 2020

Die Anzahl an Konsultationen bei Pilzvergiftungen ist 2020 glücklicherweise nicht stark angestiegen sondern sogar gesunken. Ob es tatsächlich weniger Vergiftungen gab kann aus den Zahlen natürlich nicht abgeleitet werden. Zum einen wird nicht in jedem Fall ein Pilzsachverständiger konsultiert, zum anderen bin ich nicht der einzige Pilzsachverständige in Freiburg, der bei Pilzvergiftungen kontaktiert wird.

Schreibe einen Kommentar